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Malteser Lohr

50 Jahre Malteser Mellrichstadt: "es war abenteuerlich"

17.04.2018
Schon 1969 konnte Kreisbeauftragter Karl Schneider (3.v.r.) in Oberstreu den dritten Ortsverband im Landkreis gründen. Ortsbeauftragter war Peter Egert (2.v.l).
Führungsmannschaft der Malteser Mellrichstadt 1970
Alfred Trott (links) und Wolfgang Schneider mit dem ersten Fahrzeug, das die Malteser Mellrichstadt bekommen haben.
Krankentransportwagen vor der Dienststelle in der Uhlandstraße. Deutlich auf der Beifah-rertür zu erkennen ist die Notrufnummer 1971, mit der man bei Familie Schneider zuhau-se auskam.
Malteser Urgesteine gesellen sich um eine Schaufensterpuppe in historischer Uniform (von links): Eddi Völkl, Gerhard Menzel, Peter Kirchner, Dr. Wolfgang Schneider, Rainer Kaufmann

Geballte Maltesergeschichte saß um den Tisch im Malteserhaus zusammen, um über 50 Jahre „Bezeugen des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“ im Landkreis Rhön-Grabfeld zu plaudern. Dr. Wolfgang Schneider, zusammen mit seinem Vater Karl Schneider Gründungsmitglied, Peter Kirchner, stellvertretender Stadt- und Kreisbeauftragter und eben-falls fast seit Anfang an dabei, Gerhard Menzel, Rettungsassistent und seit 1969 bei den Maltesern aktiv, und Eddi Völkl, seit fast 50 Jahre bei den Maltesern und ehemaliger Auslandsbeauftragter im Kreisverband, gerieten immer wieder ins Schwärmen über „die alten Zeiten“, in denen sie mit viel Pioniergeist, Improvisationstalent und vor allem noch mehr Motivation die noch junge Hilfsorganisation im Landkreis aufbauten. Die Anfänge liegen – wie so oft in der Maltesergeschichte – in einem Erste-Hilfe-Kurs, den die Malteser Würzburg im Dezember 1968 für die Mellrichstädter St. Georgs-Pfadfinder durchführten. Unter den Teilnehmern war der spätere erste Beauftragte Karl Schneider und sein Sohn Wolfgang sowie Alfred Trott und dessen Sohn Helmut. Sie waren von der Malteseridee so begeistert, dass sie am 23. März 1968 die Malteser in Hendungen gründeten. Dann folgten in den ersten Jahren Schlag auf Schlag Malteser-Gründungen unter anderem in Mellrichstadt, Oberstreu, Willmar, Nordheim, Fladungen, Bastheim, Schönau/ Bischofsheim. Ab März 1969 beteiligten sich die Malteser am Katastrophenschutz und hatten im Zuge dessen bald schon über 100 Helferinnen und Helfer gewonnen. Sie führten ehrenamtliche Erste-Hilfe-Kurse durch, bildeten die Ehrenamtlichen zu Sanitätern aus, besetzten so ge-nannten „Unfallhilfsstellen“ in den Dörfern, leisteten Sanitätsdienste bei Festen und Sportveranstaltungen. Ein großer Schritt war die Stationierung des ersten Krankenwagens in Mellrichstadt im März 1971. „Es war abenteuerlich“, fasst Wolfgang Schneider die ersten Jahre zusammen und hat dabei ein Lächeln im Gesicht. „Die Malteser ‚Dienststelle‘ mit der Notrufnummer 1971 war bei uns zuhause, und wenn nachts das Telefon klingelte, hat mein Vater mich aus dem Bett geholt und wir sind zusammen zu dem Einsatz gefah-ren“, erzählt er von den Zeiten ohne Rettungsleitstelle und ohne Vorgaben bezüglich Ausstattung, Ausbildung und Besetzung von Rettungs- und Krankenwagen. Die Malteser seien damals sehr fortschrittlich und innovativ gewesen. „Wir hatten zum Beispiel in unseren Fahrzeugen als erste Organisation schon Funkausstattung und waren dadurch besser erreichbar“, erinnert sich Gerhard Menzel. Großangelegte Übungen, Ausbildungsabende mit Filmen zum Katastrophenschutz, auf die der damalige Soldat Eddi Völkl über die Bundeswehr Zugriff hatte, machten die Organisation sehr attraktiv für junge Leute, sind sie sich alle einig. Daneben trug die Feldküche, mit der die Malteser auf den vielen Festen in den Dörfern die Gäste bekochte, zur Bekanntheit bei, ist sich Völkl sicher. Es folgten die Jahre des Ausbaus, mehr und bessere Fahrzeuge wurden angeschafft, hauptamtliches Personal übernahm den Rettungsdienst, der seit 1975 von der Leitstelle organisiert wurde, ein Fahrdienst für Menschen mit Behinderung und der Menüservice wurden eingeführt und besteht immer noch, 1994 das Malteserhaus am Lohweg bezogen. Ein zentraler Aufgabenbereich ist seit den frühen 90er Jahren auch das Engagement in Osteuropa. Selbst Mitbegründer Eddi Völkl selber tut sich schwer, die Gesamttonnage an Hilfsgütern zu beziffern, die seitdem mit großartiger Unterstützung der Landkreis-Bevölkerung jährlich zunächst nach Rumänien und ab 1994 nach Ungarn gebracht worden sind. „Auf die Zahl kommt es nicht ausschließlich an“, betont Völkl, „sondern vielmehr darauf, dass wir dort immer noch große Not lindern und eine tiefe Freundschaft mit den Verantwortlichen vor allem in Ungarn entstanden ist.“ An dem Nachmittag im Malteserhaus sind es diese und andere Erinnerungen an große Einsätze wie der Sanitätsdienst beim alljährlichen Hauenstein-Bergrennen oder die Olympischen Spiele in München, diverse Katholikentage in ganz Deutschland, aber auch die Verpflegung und Betreuung der DDR-Bürger, die im November 1989 in Scharen über die nahe Grenze kamen, die den Maltesern viel Gesprächsstoff bieten. „Es hat sich viel verändert in den vergangenen 50 Jahren “, ziehen die Maltesersenioren Bilanz. Bezirksgeschäftsführer Rainer Kaufmann nennt beeindruckende Zahlen: 200 hauptamtliche Mitarbeiter, davon 20 im Rettungsdienst, täglich 400 Beförderungen von Menschen mit Behinderung und 100 „Essen auf Rädern“, rund 300 Hausnotrufkunden und über 250 Ehrenamtliche. Viele der kleinen Ortsverbände gibt es leider nicht mehr, aber „wir sind präsent und versuchen, den Menschen in unserem Umfeld zu helfen“, betont der stellvertretende Stadt- und Kreisbeauftragte Peter Kirchner. Deshalb habe man ja vor geraumer Zeit den Malteser Einkaufsbus gegründet, der einmal pro Woche von Ober-streu Senioren nach Mellrichstadt zum Einkaufen fährt. Und damit Jugendliche Spaß am Helfen finden, bilden die Malteser an der Mittelschule Mellrichstadt und der Mittelschule in Bad Neustadt Schulsanitäter aus, die dann auch mit auf die „normalen“ Sanitätsdienste mitgehen können. „So glauben wir, dass wir die nächsten Jahre gut aufgestellt sind“, so Peter Kirchner, aber neue Mitstreiter sind natürlich immer herzlich willkommen. Und Wolfgang Schneider ergänzt schmunzelnd: „Als Hilfsorganisation spielen wir hier im Landkreis zahlenmäßig zwar nicht die erste Geige, aber eine gut gespielte zweite Geige ist eine Bereicherung für jedes Orchester, und das war immer unser Ziel!“ Die Malteser feiern ihr Jubiläum zunächst am kommenden Samstag mit einem Festgottes-dienst um 16 Uhr in der St. Kilian-Kirche in Mellrichstadt und einem anschließenden Festempfang, zu dem zahlreiche geladene Fest- und Ehrengäste kommen werden. Die Bevölkerung ist dann beim traditionellen Hoffest im September herzlich eingeladen, mit den Maltesern auf ihre 50 Jahre anzustoßen. Dann wird auch wieder die Feldküche Köstlichkeiten zaubern und die deutschlandweit einzige Malteser-Blaskapelle wird auf-spielen. Weitere Informationen: www.malteser-mellrichstadt.de www.facebook.com/MalteserMellrichstadt/

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